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Geschichte
In dem bewegten Revolutionsjahr 1848 löste sich der Verein allerdings wieder auf. Roman Indlekofer, dem von politisch Andersdenkenden recht übel mitgespielt wurde, kehrte nach seiner Haftentlassung seiner Heimat den Rücken und wanderte nach Amerika aus. In Norwalky, im Staate Ohio, wo er eine neue Heimat fand, gründete er wieder eine neue Kapelle, die anscheinend noch 1931 bestand.
Auch in Geißlingen entstand nach wenigen Jahren wieder eine Kapelle, die von Johann Mathis, im Volksmund unter dem Namen „Bechtersbohler Wagner“ bekannt, ins Leben gerufen wurde. Im Jahre 1869 verkaufte Mathis sein Anwesen und zog nach Villingen. Wieder verstummten für 2 Jahre in Geißlingen die Instrumente. Nach Beendigung des Krieges 1870/71 als überall, auch in Geißlingen, Freudenfeste gefeiert wurden, vermisste man hier einen Musikverein doch sehr. Alte Musiker fassten bei einem Umtrunk den Entschluss, den Musikverein wieder aufleben zu lassen.
- Mülhaupt Sebastian (Großvater von Karl Mülhaupt Waldh., Vorstand)
- Mülhaupt Josef (Dorfmetzger, Großvater mütterlicherseits von Johann Weissenberger, als Dirigent)
- Mülhaupt Heinrich (Küferhansens)
- Mülhaupt Josef (Altmessmer, Großvater von Josef Stf. Mülhaupt)
- Mülhaupt Siegmund (Großvater von Walter Mülhaupt I)
- Schilling Josef (Urgroßvater von Adolf Schilling)
- Schmid Gabriel (Vater von Alois Schmid)
- Schmid Georg (Großvater von Adolf Schmid)
- Weissenberger Ferdinand (Bierwirts, Onkel von Luise Manz, der später nach Amerika auswanderte).
Die wiedergegründete Kapelle gab sich den Namen
Die Musikgesellschaft trat erstmals 1871 bei der Heimkehr der Soldaten auf. In diesem Jahr wurde dem Verein die heute noch vorhandene Satzung gegeben.
Wenn man die Vereinschronik verfolgt, stellt man fest, dass erfreulicherweise noch Urenkel der Gründungsmitglieder zu den aktiven Musikern des heutigen Vereins zählen. Ebenso gibt die Chronik darüber Aufschluss, dass in den ersten Jahrzehnten nach der Vereinsgründung ein sehr reges musikalisches und kameradschaftliches Leben herrschte. Ein altes Kassenbuch mit der Jahrzahl 1878, geführt bis 1912, gibt Aufschluss über eine sehr unternehmungslustige Musikerschar. Besonders gerne wurde anscheinend in der Schweiz musiziert, denn eine Tanzmusikabteilung war damals an vier Tagen während der Fastnachtszeit auf Tournee bei den Eidgenossen. Die Haupteinnahmequelle des Vereins stellten die Mitgliedsbeiträge der aktiven Musiker dar. Jedoch wurden diese Erträge jeweils wieder für frohe Feste ausgegeben. Für den Kauf von Instrumenten und deren eventuelle Reparatur hatte jeder Musiker selbst zu sorgen. Bereits zur damaligen Zeit wurde, ent-sprechend Aufzeichnungen in einem Kassenbuch, alle 2 Jahre ein Ausflug veranstaltet. Besonders hervorgehoben sei hier eine feuchtfröhliche Besichtigung der Bilger Brauerei in Gottmadingen auf Einladung des Brauereibesitzers Bilger. Hier konnte der edle Gerstensaft mal wirklich genossen werden, da für die Kosten desselben der Brauereibesitzer aufkam.
Leider wurde die aktive Tätigkeit durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges unterbrochen. Doch bereits im Jahre 1918 fand sich eine kleine Musikerschar wieder zusammen zur Gestaltung einer kleinen Weihnachtsfeier. Da vier aktive Mitglieder leider aus dem Kriege nicht mehr zurückkehrten, wurde durch Neuausbildung die Zahl der aktiven Musiker im Jahre 1919 wieder aufgefüllt. Zu diesem Zeitpunkt ist neben anderen auch Alfred Engler dem Musikverein beigetreten. Im Jahre 1931 übernahm Alfred Engler aufgrund seiner musikalischen Begabung den Dirigentenstab den er bis Ende des Jahres 1971 mit Geschick, Können und Erfolg führte.
Heinrich Bächle, August Gantert, Alois Schmid, Hermann Schilling und als Dirigent Karl Geiss. Der Grundstein für neues Schaffen und musikalisches Wirken war hiermit gelegt. Im April 1949 kehrte Alfred Engler nach 4 Jahren russischer Gefangenschaft in die Heimat zurück und übernahm alsbald wieder als Dirigent die musikalische Leitung des Vereins.
Bereits 2 Jahre später wurde unter Mitwirkung von 20 Musikkapellen am 3. Juni1951 unter Leitung des damaligen Vorstandes Karl Geiss das 80jährige Jubiläum gefeiert. 10 Jahre später, unter Leitung des Vorstandes Adolf Schilling, wurde in würdigem Rahmen das 90jährige Jubiläumsfest begangen.
Das 110jährige Vereinsjubiläum verbunden mit dem Bezirksmusikfest wurde vom 28. Mai bis 1. Juni 1981 gefeiert. Bei wunderschönem Wetter und einem überaus guten Festbesuch wurde dieses Ereignis für den Verein und die gesamte Einwohnerschaft zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Das Vereinsleben ist wie alles andere einem stetigen Wandel unterworfen. Ständige Veränderungen und Anpassungen sind erforderlich um den Bestand eines Vereines erhalten und auch ausbauen zu können. Erfreulich ist die Tatsache, dass langjährige, verdiente Mitglieder dem Verein die Treue halten und somit das Rückgrat des Vereines bilden. Gleichzeitig konnte der Verein in den letzten Jahren durch eine intensive, vereinseigene Ausbildung sehr viele junge Musikerinnen und Musiker gewinnen um somit den Fortbestand des Vereines zu sichern. Derzeit befinden sich ca. 25 Jugendliche in der Ausbildung. Die meisten von ihnen haben dieses Jahr bereits in einem Jungbläserlehrgang in Steinabad das Leistungsabzeichen in Bronze erworben.
1989 wurde das Repertoire für die Fastnacht umgestellt und nach dem Vorbild der Guggenmusiken Rhythmus und Schlagwerk verstärkt. Der Erfolg gab uns schon im ersten Jahr recht und als Folge davon wurden von den Musikerfrauen für die Fastnacht 1992 neue Fastnachtskostüme angefertigt. So wie sich der Verein an Fastnacht heute darstellt, könnte man ihn als Guggenmusik nach Noten bezeichnen.
Im gleichen Jahr begab sich der Musikverein im Rahmen der Partnerschaft zum zweiten Mal für drei Tage in die französische Partnerstadt Clisson. Nach sehr viel Muscadet und viel zu wenig Schlaf wurde diese Fahrt für alle Teilnehmer zu einem unvergeßlichen Erlebnis.
Einige Mitglieder des Musikvereins sind sehr aktiv bei dem Freundschaftsprojekt „Black Forest“, das von dem Bundestagsabgeordneten Werner Dörflinger ins Leben gerufen wurde. So konnten viele amerikanische Soldaten in Musikerfamilien in Geißlingen Gastfreundschaft erfahren, was sicher zur Förderung der deutschamerikanischen Beziehungen beigetragen hat.
Mit der Hoffnung, dass diese Freundschaften, dass unsere guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu unseren Bezirksvereinen und zu allen anderen Nachbarvereinen Bestand haben und weiter gepflegt werden, möchten wir unser 125 jähriges Jubiläum feiern.
Das für uns als Verein herausragende Ereignis am 125-jährigen Vereinsjubiläum, das vom 31. Mai bis 03. Juni 1996 gefeiert wurde, war sicherlich die Neuuniformierung des Vereins. Ermöglicht wurde die Anschaffung der neuen Halbtracht durch eine beachtliche Zuwendung seitens der Gemeinde und zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung, die dadurch ihre Verbundenheit zu unserem Verein zum Ausdruck brachte. Außerdem wurde durch die Vereinsführung ein Eigenanteil festgelegt, den jeder Musiker selbst aufzubringen hatte, um die Vereinskasse nicht übermäßig zu strapazieren. Der Festverlauf war in musikalischer und organisatorischer Hinsicht durch die gewohnte Zuverlässigkeit und den tatkräftigen Einsatz der Vereinsmitglieder, aber auch vieler Helfer außerhalb des Vereins ein voller Erfolg. Die eher rückläufigen Besucherzahlen und die mit einem Fest in dieser Größenordnung verbundenen finanziellen Risiken geben jedoch Anlaß, künftige Veranstaltungen dieser Art sorgfältig zu überdenken.
Zum Jahreskonzert 1996 konnten 23 Jungmusiker in den Verein aufgenommen werden, die im Frühjahr des Jahres das bronzene Leistungsabzeichen erworben hatten. Der Musikverein präsentierte sich damit in einer Stärke von 64 aktiven Musikerinnen und Musikern, was für einen Ort wie Geißlingen, mit knapp 1’000 Einwohnern, sicher beachtlich ist.
Bereits 1997 befand sich unser Verein wieder in Festvorbereitung, denn Ende 1996 hatte man sich aus einer „Bierlaune“ heraus entschlossen, das Bezirksmusikfest für den Arbeitsbezirk 3 noch einmal auszurichten. Der ursprüngliche Veranstalter, ein Verein aus unserem Bezirk, hatte die Organisation des Festes kurzfristig abgesagt. Anders als im Vorjahr beim 125-jährigen wurde das Fest statt in ein Zelt in die Halle verlegt und die Feierlichkeiten auf zwei Tage beschränkt. Es erwies sich sehr schnell, dass diese Entscheidung richtig war und das Fest konnte in Anbetracht des geringeren Aufwandes als Erfolg verbucht werden.
Rückblickend auf die Jahre 1996 bis 2001 fällt besonders auf, dass sich das Dirigentenkarussell in unserem Verein sehr schnell gedreht hat. Viermal wechselte in dieser kurzen Zeitspanne die musikalische Leitung des Vereins, bis wir mit dem 4. Wechsel wieder zu unserem früheren langjährigen Dirigenten Daniel Häring zurückfanden. Wir sind zuversichtlich, dass wir uns unter seiner bewährten Leitung nun wieder auf die musikalischen Herausforderungen konzentrieren können.